Radtouren

Tagebuch Rennradreise “Grandes Alpes” 2012

 

T A G E B U C H   R E N N R A D TO U R   G R A N D E S    A L P E S    2 0 1 21. Tag, 24. Juni 2012: Feldkirch – Furkapass (mit Oberalppass) 

208km               10h 30 Fahrzeit               3270 Höhenmeter

Wir 3 (Steve, Andi und ich) starten um 5:15 in Mieders im Stubaital, wo wir alle bei Tinas Eltern übernachtet haben. Rollen bequem die alte Brenner- Bundesstraße zum Innsbrucker Hauptbahnhof -> in Feldkirch beginnt somit eigentlich die Rennradreise „erweiterte Grandes Alpes“.

Durchqueren Liechtenstein. Am Rheintalradweg nach Chur. Nach den ziemlich flachen Stunden wartet der 1. Anstieg zum Oberalppass. Das Zusatzgewicht am Rad dürfte ich (hoffentlich) noch nicht gewohnt sein. War jedenfalls eine Quälerei dieser erste „leichte“ Pass.
Kalt oben – runter nach Andermatt, und da es morgen Dauerregen geben soll bleibt uns wohl nichts übrig als in der Abenddämmerung auch noch den wunderschönen Furkapass zu befahren.
Im allerletzten Licht machen wir unsere Fotos und rollen runter bis zu einer ersten Campingmöglichkeit. In der Dunkelheit übersehe ich ein Schlagloch -> vorne und hinten Platten. Notzeltplatz in Notausfahrt!!

2. Tag, 25. Juni 2012:  Furkapass – Thonon

208km               8h 45 Fahrzeit               575 Höhenmeter

Wie erwartet: Regen in der Früh. Start somit erst um 9. In der Nässe geht es durchwegs bergab. Erst in Brig hört der Regen auf. Doch ab nun hatten wir Gegenwind bis zum Genfersee. Und das teilweise fast orkanartig über mehr als 100km Länge. Am See geht´s dann wunderbar entlang über die französische Grenze bis Thonon.

Heute trifft sich´s gut, dass Steve uns bereits zuvor eine „Unterkunft“ über Couchsurfing gecheckt hat. Wohnen in einer Villa Kunterbunt mit netten Franzosen als Gastgeber, heißer Dusche und viel Lasagne J (+ Rotwein).

 

3. Tag, 26. Juni 2012: Thonon – Flumet 

(Les Gets, Col de la Colomiere, Col des Aravis)

126km                                                 7h 30 Fahrzeit                                      2770 Höhenmeter

Herrlich auf der Matratze geschlafen. Trödelten ziemlich in der Früh mit Einkauf und Frühstück. Starteten somit erst kurz vor 12(!) von Thonon bzw. mit der eigentlichen „Route des Grandes Alpes“. Das „Einfahren“ ist beendet – es geht also los!!

1. Pass (Les Gets) easy und wenig attraktiv. Der 2. (Colombiere) zieht sich extrem steil ewig rauf. Oben waren wir alle fertig wie selten. Der Aravis dann am Abend war wieder nett mit angenehmer Steigung über Blumen- und Almwiesen. Runter nach Flumet über eine spektakuläre Steinbrücke. Bei der Zeltplatzsuche gab es Unstimmigkeiten.

 

4. Tag, 27. Juni 2012: Flumet – Bonneval sur Arc 

(Col de Saisies, Cormet de Roselend, Col d´Iseran)

135 km                                                9h 00 Fahrzeit                                                 3940 Höhenmeter

Ein Mördertag! Bereits bei Traumwetter frühstückten wir bei der Kapelle am Col de Saisies. Kaum im Tal geht´s natürlich gleich wieder rauf. Diesmal zum Roselend, einem der schönsten Alpenpässe. Der tiefblaue Stausee am Weg wird zum Waschen und Abkühlen genutzt. Die restlichen Höhenmeter rauf zur Passhöhe auf 1967m waren ein absoluter Traum.

Unser 3. Tagespass – der höchste Alpenpass – ist zweigeteilt. Die 1. Hälfte rauf zum Schiort Val d´Isere waren fürchterlich. Viele wahnsinnige Autofahrer, landschaftlich wenig schön und gefährliche Tunnel machen den Teilabschnitt für mich zum Unattraktivsten der ganzen „Grandes Alpes“. Bereits in Val d´Isere war ich durch die Hitze etwas angeschlagen.
Nach einer Jausenpause beginnt der viel schönere 2. Abschnitt. Hart erkämpft erreichen wir spät am Tag den Col d´Iseran, mit 2770m der höchste Alpenpass! Die Abfahrt geht vorbei an meterlangen Schneewänden. Könnte echt schön sein, würde ich noch was sehen. Im letzten Tageslicht erreichen wir eine schöne Blumenwiese zum Zelten.

 

5. Tag, 28. Juni 2012: Bonneval sur Arc – Briancon 

(Col du Telegraph, Col de Galibier, Col Lautaret) 

136 km                                                7h 45 Fahrzeit                                                 2420 Höhenmeter

Sehr frisch in der Früh. Es geht für 50! Km mal mehr mal weniger steil bergab in die Stadt St. Michele. Steve fährt für 20 km irrtümlich (?) auf der Autobahn! Als wir wieder vereint sind geht´s in der Mittagshitze rauf zum „Vorpass“ Telegraph und nach kurzer Abfahrt in der noch größeren Hitze rauf zum Col de Galibier, einem der berühmtesten Alpenpässe und Tour de France- Klassiker.

Die Hitze bringt mich fast um. Schleppe mich mühsam nach oben. Immer wieder schmeiß ich mich in den Gebirgsbach neben der Straße. Die letzten 8km waren steil, heiß und hart. Trotzdem ein Wahnsinnserlebnis. Ein landschaftlicher und sportlicher Höhepunkt. Zig Radkollegen oben auf der Passhöhe genießen ebenfalls das besondere Flair. Steve hat arge Knieprobleme und braucht über 1h länger.
Pizza essen in einem noblen Restaurant in Briancon und weiter bis zu einer 1. Möglichkeit zum Zelten.

 

6. Tag, 29. Juni 2012:: Briancon – Guillaumes 
(Col de Izuard, Col de Vars, Col de la Cayolle)

156 km                                                9h 00 Fahrzeit                                      3250 Höhenmeter

Da waren´s nur noch 2. Steve gibt wegen seinen extremen Knieschmerzen auf und wird schauen, dass er irgendwie nach Italien und zum Zug kommt. Somit bringen Andi und ich die Tour (hoffentlich) zu ende.

Beim 1. Tagespass (Izuard) ist das Highlight die Abfahrt durch eine wüstenähnliche Mondlandschaft. Nun überschneidet sich für 22 km bis Gulliestre unsere Route mit der Vorjahresroute Graz-Barca.
Es ist verdammt heiß – Mittagshitze. Rauf zum Col de Vars. Nicht der Allerschönste aber doch lieblich. Im Talort Barcelonette machten wir eine Ausgiebige Mittagspause mit Crepes u.sw.
Am Nachmittag wartet dann ein Traumpass auf uns: der Cayolle. Von Anfang bis Ende abwechslungsreich und schön! Zuerst ein Canyon entlang, weiter über einsame Bergstraßen. Zum Schluss im Abendlicht über Steinbrücken, Wasserfälle und Blumenwiesen. Am Pass war ich dann doch etwas fertig! Auch die Abfahrt führt durch eine herrliche Schlucht.


7. Tag, 30.
 Juni 2012: Guillaumes – Col de Castillon 
(Col de Valberg, Col de la Couillole, Col Saint-Martin, Col de Turini)

142 km                                                9h 15 Fahrzeit                                                 3610 Höhenmeter

Frühes Aufstehen. Es geht (natürlich) gleich rauf zum 1. Pass. (Valberg). Kurz runter zum netten Kaff Beuil und kurz rauf zum wenig attraktiven Col de la Couillole.

Aber dann die unerwartet spektakuläre Abfahrt: historische Dörfer hoch über Klippen und eine farbenfrohe Schlucht. Wohl eine der schönsten Abfahrten der Tour.
Der 3. Pass (Saint-Martin) zieht sich lange in angenehmer Steigung aber in der Mittagshitze rauf. Oben hässliche Hochhausbauten.
Es ist noch lange nicht zu Ende: der 4. Pass des Tages ist der Turini – weniger bekannt bei Radfahrern als bei Ralleyfahrern. Und das merken wir: etliche Wahnsinnige rasen ohne Rücksicht auf Verluste hoch. Zahlreiche Kreuze erinnern an umgemähte Radler! Wir überlebten mit Schock! Dafür war die Abfahrt auch diesmal ein Wahnsinn.
Pause im mediterranen Städtchen Sospel. Und dann fahren wir rauf zum 5. Pass heute (wow) – dem Col de Castillon. Das letzte Hinderniss vor dem Mittelmeer. Übernachten praktisch auf der Passhöhe mit Mittelmeersicht (nochmals wow).

 

8. Tag, 1. Juli 2012: Col de Castillon – Menton – Ventimiglia

60 km   (16 bis Menton)                       3h 45 Fahrzeit                                                 450 Höhenmeter

Das Finale: eigentlich müssen wir nur noch runter rollen zum Mittelmeer. Und bereits zum Frühstück erreichen wir das Ende der „Tour de Grandes Alpes“ – Menton: eine wunderschöne Stadt. Und weil wir ja schon in der Nähe sind machen wir dann auch noch einen Ausflug nach Monaco. Kurzer Badestopp im Meer. Und da ja heut Abend EM- Finale Italien-Spanien ist rollen auch noch rüber nach Italien und gönnen uns in Ventimiglia einen Campingplatz, ein gutes Abendessen und den Kick. Siegesfeiern gab´s bekanntlich keine: Italien wurde 4:0 abgeschossen!

9. Tag, 2. Juli 2012: Ventimiglia – Barbaresco

186 km                                                            9h 45 Fahrzeit                                                  2415 Höhenmeter

Früh weg. Es geht stetig bergauf durch eine schöne Schlucht mit weniger Verkehr als vermutet. Wahrscheinlich schlafen noch alle nach dem EM-Finale! Wir passieren die französische Grenze und es steigt weiter zum letzten Ort: Tende. Es wird steiler. Einige Serpentinen zum Aufwärmen rauf zum Scheiteltunnel durch den Grenzpass: Hier dürfen und wollen wir nicht durch.

Der abenteuerliche Teil beginnt: die 48 Kehren rauf zum Col de Tende: wild, eng nebeneinander und über die Hälfte der Höhenmeter unasphaltiert. Somit schieben wir 1h rauf zum Pass.
Oben sind wir wieder in Italien, rollen ewig lang runter bis in die Poebene, durch die hässliche Stadt Cuneo und weiter bis wir endlich die Weinberge von Barolo erreichen. Nun wird die Landschaft interessant. Abendessen in Alba. Schlafplatz im Weinort Barbaresco ohne Zelt unter freiem Himmel neben einer Kirche.

 

10. Tag, 3. Juli 2012: Barbaresco – Piacenza 

181 km                                                7h 45 Fahrzeit                                                 455 Höhenmeter

Was für ein öder Tag. Einzig die ersten 10 Fahrminuten durch die Weinberge waren interessant. Es geht geradewegs durch die hässliche, stinkende und staubige Poebene. Besichtigten die Städte Tortona und am Abend Piacenza (also doch ein – kulturelles – Highlight am Abend). Übernachtung kurz außerhalb von Piacenza in einer gelsenverseuchten Sumpfwiese.

 

11. Tag, 4. Juli 2012: Piacenca – Gradasee – Trient 

215 km                                                9h 45 Fahrzeit                                                 1600 Höhenmeter

Sehr früh im Morgengrauen weg. Von Gelsen durchstochen wollten wir nur flüchten. Frühstückspause somit erst in der auch sehr schönen Stadt Chemona. Weiter nun über kleine Gassen (schon viel angenehmer) bis Salo am Gardasee.

Es folgt der gefährlichste Abschnitt der Reise: entlang der steilen Gardasee- Westuferstraße mit geschätzten 50 (oft finsteren) Tunnel nach Riva.
Unerwartet viele Höhenmeter dann bis Trient. Viele lästige Anstiege so dass wir nach einer Regenpause erst in der Dunkelheit Trient erreicht haben. Notübernachtung in(!) einem Weingarten im Stadtgebiet.

 

12. Tag, 5. Juli 2012: Trient – Stubaital

174 km                                                8h 00 Fahrzeit                                                 1450 Höhenmeter

Finale. Noch früher weg. Es war noch dunkel. Immer parallel zur Autobahn mal Radweg, dann Gassen nach Bozen. Frühstückspause. Weiter den schon bekannten Luxusradweg nach Brixen. Hier bog Andi ab nach Osttirol. Ab nun war ich die letzten Stunden allein unterwegs. In Sterzing letzte Jausenpause auf einer Parkbank. Durch die Anstrengung der Tour bin ich gleich im Sitzen für 1/2h eingeschlafen. Also noch 1x motivieren… auf den letzten Pass – den Brenner.

Und dann nur noch rollen lassen entlang runter, runter, runter ins Stubaital zu Tinas Eltern. Etwas angeschlagen aber glücklich und doch ein wenig stolz hab ich mich verwöhnen lassen!! Es war sicher nicht die letzte Tour dieser Art!!

Z U S A M M E N F A S S U N G :

 

Gesamtkilometer:                                           1927            (161 pro Tag) / 12

Gesamthöhenmeter:                                     26210           (2184 pro Tag)

“Grandes Alpes” – Gesamtkilomter:                 711             (142 pro Tag) / 5

“Grandes Alpes” – Gesamthöhenmeter         16000           (3200 pro Tag)

Gesamte Fahrzeit:                                        101 h            (4 Tage 5h)

Weiteste Tagesetappe:                                215 km         (Tag 11)

Längste Fahrzeit pro Tag:                            10 h 30         (Tag 1)

Meisten Tageshöhenmeter:                          3940             (Tag 4)

Maximalgeschwindigkeit:                              68 km/h

Höchster Punkt:                                            2770 m

Tiefster Punkt:                                              0 m

Fahrradplatten:                                             2 (zugleich vorne und hinten :-)

Nächte im Zelt:                                              8 x (weil 2x ohne Zelt unter freiem Himmel)

„Wildes Campen“:                                         9 x

Weitere Fakten:                                            6 Länder und 21 Pässe