Radtouren

Tagebuch Rennradreise von Graz nach Barcelona 2011

T A G E B U C H   R E N N R A D TO U R   G R A Z  -  B A R C A    2 0 1 1

1. Tag, 7. Juli 2011: Graz – nach Hermagor

263km                          11h20 Fahrzeit                        1815 Höhenmeter               

4:35 Start in Graz – das Wetter passt – die Motivation auch- Es geht zügig bis zum Radlpass. Dieser der steilste Abschnitt heute. Wir kämpfen uns mit letzter Kraft auf den eher harmlosen Pass. Das kann ja heiter werden mit unseren schweren Rädern…
Badepausen am Klopeinersee, Wörthersee und Silbersee. Ewige Suche nach Platz an der Gail. 40km sind wir heute auf unasphaltierten Wegen gefahren!

 

2. Tag, 8. Juli 2011: nach Hermagor  – Mühlbach

160km                              8h30 Fahrzeit                      1900 Höhenmeter         

Start in den heutigen sonnigen Morgen war 6:00. Frühstück in Kötschach- Mauthen bevor es dann rauf geht ins Lesachtal. Steile Aufschwünge und immer wieder kurze Abfahrten prägen die Fahrt nach Osttirol. Ab dem Kartitscher Sattel geht es nun fast nur mehr bergab nach Südtirol. Eine unglaublich gute Pizza verzerren wir in Bruneck. Der Radweg von hier Richtung Brixen (wie eigentlich in ganz Südtirol) ist ein Traum. Schönes Übernachtungsplatzerl hoch über Mühlbach.

 

3. Tag, 9. Juli 2011: Mühlbach – Stilfserjoch Kehre 12

162km                         8h40 Fahrzeit                            1915 Höhenmeter

Start 5:45. Es geht runter nach Brixen, einer wunderschönen Stadt. Frühstück im herzigen Ort Klausen. Der Radweg im Eisacktal runter nach Bozen war der wohl schönste meines Lebens. Kurzer Stadtrundgang in Bozen. Zügig geht´s nach Meran – meine Lieblingsstadt hier in Südtirol (versteht Bernd gar nicht).
Im Eisacktal geht es über einige Steilstufen wieder bergauf bis Prad – dem Startpunkt zum Stilfser Joch. Stärkung bei Bier und Knödeln.
Fahren dann noch 1000 HM bis nach Kehre 33 und finden dort in der Nähe einen Traumplatz am Bach mit Ortlerblick zum Sonnenuntergang.

 

4. Tag, 10. Juli 2011: Kehre 12 – Comosee

166 km                         8h00 Fahrzeit                              1370 Höhenmeter

Ein Wahnsinns- Morgen – null Verkehr im 1. Morgenlicht. Wir erklimmen die restlichen 36! Kehren fast einsam und allein. Ankunft bereits kurz nach 8 am Stilfser Joch, dem 2. höchsten Alpenpass. Wir machen auch noch gleich den Umbrailpass (höchster Pass der Schweiz) mit. Auch die Runterfahrt war genial: Viel Gegenverkehr, 100e Rennradfahrer und zig (unbeleuchtete) Tunnel. In Tirano haben wir Steve getroffen. Sind gemeinsam (zu dritt) zum Comosee gefahren. Immer wieder Gewitter, sogar Hagel. Campingplatz am See.

 

5. Tag, 11. Juli 2011: Comosee – Po

216 km                        9h30 Fahrzeit                                    1305 Höhenmeter

Vormittags um 7:00 gestartet. Wir radeln noch 50 km dem Comosees entlang, vorbei an teilw. beeindruckenden Villen und traumhaften Örtchen. Dann kurzer Abstecher in die Schweiz. Es geht mit wenig Verkehr und zunehmender Hitze Richtung Poebene und in den Weinort Ghemme. Dort gibt es eine ausgiebige Siesta im Schatten. Gestärkt geht es weiter, vorbei an Reisfelder und schließlich über die Pobrücke zu einem Waldzeltplatz.

6. Tag, 12. Juli 2011: Po – Pontechianale (vor Col Agnel)

140 km                        7h20 Fahrzeit                                     1755 Höhenmeter

Bereits am Morgen schwül und bewölkt. Es geht leicht hügelig, dann flach weiter bis zum Beginn des Valle Varaita. Wir springen zur Abkühlung in den Fluss. In leichter Steigung geht´s im Tal bergauf über Sempeyre (komischer Ort) nach Casteldelfino (extrem schöner Ort).
Waschen im Stausee und Pizza essen im Örtchen Pontechianale. Traum – Zeltplatz direkt am See.

7. Tag, 13. Juli 2011: Pontechianale – Lac de Serre-Poncon

151 km                        8h00 Fahrzeit                                     2410 Höhenmeter

Wie immer schau ich gleich nach dem Wecker aus dem Zelt. Heute schaut´s weniger erfreulich aus – dunkle Wolken. Und kaum war das Zelt abgebaut setzt schon der Regen ein. Während der Auffahrt rauf zum Col Agnel (3. Höchster Alpenpass) hatten wir Starkregen und peitschendem Wind zu kämpfen. Logischerweise war die Aussicht nicht berauschend und spätestens bei der Abfahrt wurde mir eiskalt.
Auch unten im Tal immer wieder Regen – manchmal oft Sintflutartig – das zwingt uns zu stundenlangen Pausen im Trockenen. Am späten Nachmittag dann endlich Sonnenschein. Wir fahren um den Lac Poncon und suchen in der Abenddämmerung einen Zeltplatz in einem idyllischen Tal.

 

8. Tag, 14. Juli 2011: Lac de Serre-Poncon – Vaison-la-Romain

160 km                              8h50 Fahrzeit                                2425 Höhenmeter

Frühmorgens zum Frühstück nach Sisteron – nettes Örtchen. Ein windiger, kühler, aber recht sonniger Tag steht bevor. Es geht permanent rauf, über einen „Col“, runter, rauf, „Col“, runter….
Auf dem Weg herrlich- violette Lavendelfelder – so stellt man sich die Provence vor! Und dann wartet der Mont Ventoux – Gigant der Provence und Königsberg der Tour de France. V.a. die letzten 400 Höhenmeter im kahlen Gipfelbereich hatten es in sich mit Gegenwind, der teilweise Orkanstärke erreichte. Die Aussicht + die Abfahrt (1700 HM!) entschädigen aber für die Quälerei.
Campingplatz im Weingarten bezogen und auf geht´s zum Abendessen nach Vaison/Romain am französischen Nationalfeiertag.

 

9. Tag, 15. Juli 2011: Vaison-la-Romain – Barjac (nähe Gorges de l´Ardeche)

143  km                                7h 20 Fahrzeit                           1270 Höhenmeter

Gleich am Morgen schauen wir uns 3 weltberühmte Weinorte an: Séguret, Sablet und Gigondas. Bernd´s Weinherz schlägt höher, aber auch mir gefallen die Ortschafterln + Umgebung sehr gut. Die Weiterfahrt ist teilweise durch starken Gegenwind geprägt. In der Stadt Orange schauen wir uns das weltberühmte römische Theater an. Es geht über die Rhone und vorbei an einem Atomkraftwerk (von 58 in Frankreich).
Am Nachmittag/Abend radeln wir durch die Ardeche-Schlucht – sicher ein absolutes landschaftl. Highlight der Tour: tief unter uns mäandriert der Fluss wie im „bewaldeten“ Grand Canyon. Schönes Nachtplatzerl in der Steppe des Zentralmassivs.

 

10. Tag, 16. Juli 2011: Barjac – Millau

170  km                                   8h 40 Fahrzeit                           1860 Höhenmeter

Am Morgen geht es wieder hügelig weiter – rauf, runter, Pass….
Dann durchfahren wir die Gorges du Tarn. Die berühmte Schlucht beginnt eher unspektakulär, wird aber gegen Ende praktisch mit jedem Kilometer genialer. Diesmal fahren wir IN der Schlucht, sehen einige der schönsten Orte Frankreichs, die teilweise am Felsen kleben. Das Berühmteste davon ist wohl Saint Enemie. Auch Baden im Fluss war angesagt.
Wieder einen wunderbaren Platz für unser Zelt und unsere Baguette- und Weinjause gefunden.

 

11. Tag, 17. Juli 2011: Millau – nach Albi

143  km                                       7h 20 Fahrzeit                         895 Höhenmeter

Ein Tag zum Vergessen. Bernd + ich (beide) fühlen uns vom Morgen an etwas kränklich. Noch dazu immer wieder Regen. Treten lustlos zig Stunden den Tarn- Fluss entlang – es geht unter dem „Viaduc de Millau“ hindurch, der größten Schrägseilhängebrücke der Welt.
Dann die Stadt Albi: Wunderschöne Altstadt (Bischofsviertel seit 2010 Weltkulturerbe). Mit vielen Ziegelbauten und einer Riesenkathedrale wirkt die Stadt etwas schottisch.

 

12. Tag, 18. Juli 2011: nach Albi – Toulouse

97  km                                          5h 30 Fahrzeit                           465 Höhenmeter

Zum Frühstück die kleine Stadt Gaillac angeschaut – eine Weinstadt die man klein- Albi nennen könnte (wenn man sie renoviert). Rollen gemütlich mit vielen Pausen nach Toulouse. Abends quartieren wir uns dort bei Sebastien ein, den wir über „warmshowers.org“ kontaktiert haben – Radreisende bieten anderen Radreisenden eine Schlafmöglichkeit. War sehr nett mit ihm; bekamen eine (Rad)Stadtbesichtigung, fuhren zu vielen schönen Plätzen Toulouse und endeten in einem Einheimischen Lokal mit herrlicher franz. Küche und Wein.

 

13. Tag, 19. Juli 2011: Toulouse – Merens les Vals

151  km                                        7h 40 Fahrzeit                             1305 Höhenmeter

Frühstück bei/mit Sebastien. Wir verabschieden uns gegen 9:00. Ein extrem windiger Tag heute. Fahren die ersten 1 ½ h immer entlang des Canal du Midi. Meist Seiten- und Rückenwind. Sehr wechselhaftes „Aprilwetter“ – geraten zigmal in einen Regenschauer. Fahren über einige Hügel, Sonnenblumenfelder und erste Blicke auf die (wolkenverhangenen) Pyrenäen.
Immer weiter Richtung Andorra. Verfahren uns ziemlich wild: der Radweg wird zu einem Schlammweg, der zu einem dornigen Graspfad und der zu einem Klettersteig (A/B). Ergebnis: 1h schieben, tragen und klettern mit bepacktem Rennrad.
Im letzten Tageslicht bauen wir auf 1000m unser Zelt an einem schönen, alpinen Platz auf.

 

14. Tag, 20. Juli 2011: Merens les Vals – Solsona

177  km                                        9h 40 Fahrzeit                              3445 Höhenmeter

Aufbruch um 6:30. Sehr frisch in der Früh – 5°C. Es steht uns ein sonniger Tag bevor. Zuerst geht es mal 1350 Höhenmeter rauf zur Grenze nach Andorra. Bernd findet abolut nichts auch nur irgendwie sehenswert hier. Andorra ist ein Einkaufsparadies in jeder Hinsicht: mitten in den Bergen gibt´s hier Riesensupermärkte, Alkshops, Diskonttankstellen u.s.w. an jeder Ecke. Das alles passt aber gar nicht hierher in die schöne Natur!
In Spanien geht es dann in die „echten“ Pyrenäen: viele nette Steindörfer und zig Pässe bedeuten einen neuen Höhenmeterrekord für mich! J

 

15. Tag, 21. Juli 2011: Solsona – Barcelona

131  km                                         6h 50 Fahrzeit                              1570 Höhenmeter

Der letzte Radtag! Meist radeln wir durch bereits dicht besiedeltes Gebiet. Wir machen es uns aber nicht leicht und wählen die wohl schwierigste Route. Wir müssen somit noch über 2 Berge: der erste ist der Park Natural San Llorenz del Mund (höchste Pkt 871m). Dann geht´s runter durch viele viele Vororte von Barcelona.
Dann der Endspurt: rauf auf den Hausberg von Barcelona. Ein Wahnsinn: plötzlich liegt unter uns die Millionenstadt – das lang ersehnte Ziel, das wir uns so mühsam und hart erkämpft haben.
Wir fahren runter und rein ins Straßengewirr von Barca. Dort treffen wir gleich unseren „Abholservice“ – Bernd´s Bruder + Begleiterin. Nehmen uns ein günstiges Zimmer in der Altstadt von Barca, gehen duschen, was trinken und essen und fliegen dann todmüde ins Bett.

 

16. + 17. Tag, 22. + 23. Juli 2011: Barcelona (+ Heimfahrt)

Da wir ja gestern zu faul waren zum Sightseeing holen wir das nun noch im Schnellverfahren nach: wir besuchen einige Gaudi- Gebäude, die Kathedrale und das Nou Camp Stadion (leider nur von außen). Wir genießen ein wenig das Stadt- und Strandleben, essen Paella und trinken Cocktails.
Am Samstagtag früh treten wir die 18!- stündige Autofahrt nach Hause an und kommen Sonntag früh dort an, wo wir uns 16 Tage und 22 Stunden zuvor auf´s Rad geschwungen haben.

 

Z U S A M M E N F A S S U N G :

 

Gesamtkilometer:                                         2431             (162 pro Tag)

Gesamthöhenmeter:                                     25705           (1714 pro Tag)

Gesamte Fahrzeit:                                        123 h            (5 Tage 3h)

Weiteste Tagesetappe:                                263 km         (Tag 1)

Längste Fahrzeit pro Tag:                            11 h 20         (Tag 1)

Meisten Tageshöhenmeter:                          3445             (Tag 14)

Maximalgeschwindigkeit:                              79,0 km/h

Höchster Punkt:                                            2770 m

Tiefster Punkt:                                              0 m

Höchsttemperatur:                                       35° C

Tiefsttemperatur:                                           5° C

Fahrradplatten:                                              beide 0

Nächte im Zelt:                                              14 x

„Wildes Campen“:                                         12 x

Weitere Fakten:                                            7 Länder und 20 Pässe